Tuesday, April 20, 2010

Seriell

Auf Erden gibt es viel zu seh'n
So deucht es mich ein Phänomen
Dass allen Damen miteinander
Mit denen's nicht hat wollen sein
Ein Bruder ist, nicht voll, doch klein
Mit Namen Alexander

Drum falls ihr grade Eltern werdt's
Und es ein Sohn wird, schont's mein Herz
Und nennt's ihn Erich
Da dank euch sehr ich.

Saturday, April 10, 2010

Schleife

Wie man sich bettet,
so liegt man.
Und so wie man jettet,
so fliegt man.
Und wenn man als Quelle,
die Wasserfälle,
Allzu gut überflutet,
versiegt man.

Saturday, February 06, 2010

Haus in Wien 15

die türkischn neubürger ziagn siemaneinzg unten ein
sie sprechn kaum deitsch oba sie bereichan uns ungemein
und wonns im vorhaus an hamml schlachtn
und um fünfi gen mekka schmachtn
denk i ma kuntat d stodt nu a weng bunter sein?
uns hausmasta
klaus hasta
schreit donn meist: aus gfrasta!
er liebt seine türkn wiewohl ausländer mog a gern
er soagt sich um sie und wü sie in loga sperrn
traamt vun ana zeit die zum glick längst fagessn is
und hot meist an sitzn grod seitdem er gsessn is
togsüba sitzta in da wirtschaft im hochparterre
dorthin kräut jeda sandla im hieb aus seim loch daher
dort saufens dann alle in de rauchign nebelschwadn
und hoin si zum lungenkrebs a nu an leberschadn
und wann mis gfüh beschleicht
i hob ned vü erreicht
gib i ma de gala bis dass jeda besoffn is
und waas dass de skala a owizua offn is
de zwa hawara drüba in da erstn etasch
zöhn scho seits zwöfe woan nua zua bagasch
ma siagts an da eckn
sie fakaufn tablettn
die die apothekn
nia im angebot hättn
sie feian bis fünf und si schlofn bis hoiba fia
und importiern aus afghanistan ganz ohne zoibapier
ob und zua homs gnuag göd fia de serbin im zweitn stock
ma siagts oft am gehsteig oba nia mit am breitn rock
sie is a arms madl dessn schicksal mich dauert
oba ned sovü dass i ned a zu ihr schauert
an leerstand hamma im drittn stock obm
wei eam homs eingnaht und sie hobms begrobm
s kind is im heim
da hund is jetzt leim
und sunst mecht eh kana des ratznloch hobm
drüba wohn i und do drübe da franz
eine kapazität auf dem gebiet der finanz
er woa mitoabeita bei da gewerkschaftsbank
und wann de behörden net so genau hergschaut habm
hot da franzl gschwind a poa milleonen faschobm
drum wohnta in unsam haus hoid a ganz obm
doch er woa a klans radl des beim deal ned vü z gwinnan hat
drum stehts penthouse in fünfhaus und ned in da innan stadt
so fagengan de tog und mia fagehts won i s siag
meine grindign nochban und mein schiachen beziak
wer reich is reisst o noch pfaduz und maderia
i bleib im fuchzehntn und daher kheria

Das ist geboten

so gott wy
kon is liacht ywahoin
... und INSCHALLAH

Saturday, January 16, 2010

Minimum

Es woa nua a Streit im Klanen,
Sollt ma manen,
Do mit anem,
Fliagt des Medl,
Mitm Schedl,
Volle Wesch do,
An de Budl,
Sie liegt fesch do,
Und I hudl,
Dass de Leich voam Oat faschoat is,
Nu bevoa de Leich dastoat is.

Wednesday, January 06, 2010

Tagwache

Ihr seid eine wilde Truppe,
Ungezähmt voll Freiheitsgier,
Lagert ihr auf bleicher Kuppe,
Einem Wald gleich über mir.

Keine Hundertschaft von Zähnen,
Die euch ihrer Wege führt,
Nie soll Euer Herr sich wähnen,
Wer nicht an zwei Klingen rührt.

Nach der Dusche jeden Tages,
Werd ich Eurer Kraft gewahr,
Und ich singe, denn ich mag es,
Diese Ode an mein Haar.

Friday, January 01, 2010

Durchs Jahr 2010 mit den ÖBB – eine Prognose

Jänner
Das neue Jahr beginnt für die ÖBB mit einer lange ersehnten Erfolgsmeldung: beim Vortrieb des Koralmtunnels stößt man auf Lapislazuli. Die Ergiebigkeit des Flözes gestattet die Anfertigung einiger exklusiver Schmuckstücke, wie ÖBB-Personenverkehr-Chefin Gabriele Lutter bei einer Pressekonferenz strahlend bekannt gibt. Auch ihre blauen Ohrringe strahlen. Durch überfrierende Nässe auf einigen besonders steilen Gleisabschnitten im Wienerwald kommt es auf der Westbahn zu Verspätungen zwischen 30 und 120 Minuten.

Februar
Spielende Kinder errichten einen Schneemann auf den Gleisen der Semmeringbahn. Der Zugsverkehr zwischen Wien und Graz kommt zum Erliegen. Für Reisende aus der Steiermark wird ein Schienenersatzverkehr nach Mariazell eingerichtet. Dort besteht Anschluss an die Museumsgarnitur „Ötscherbär“ der Mariazeller Bahn.

März
Im Dezember des Vorjahres verursachten eingeschneite Weichen ein Verkehrschaos im Großraum Wien. Infolge unvorhersehbaren Tauwetters kommt es an den Anlagen nun zu Korrosionsschäden. Flugrost setzt sich auf den Schienen der näheren Umgebung fest. Sämtliche Züge aus den Bundesländern enden bis auf weiteres an der Wiener Stadtgrenze, wo ein Schienenersatzverkehr mit eilig angelieferten Citybikes gewährleistet wird.

April
Starke Regengüsse unterspülen die Gleise der Westbahn zwischen Neulengbach und Purkersdorf-Sanatorium. Verspätungen von 40 bis 160 Minuten sind die Folge. Um die Instandsetzung bilanzneutral finanzieren zu können, engagiert die ÖBB Infrastruktur AG einen externen Berater in der Person Karl-Heinz Grassers, der infolge eines Murenabgangs dringend einen neuen Kitzbüheler Bauernhof benötigt. Erster Schritt: der Sitz der ÖBB Holding AG wird nach Aruba verlegt. Die entsprechende Pressekonferenz findet im Wiener Palmenhaus statt.

Mai
Das ausufernde Defizit der ÖBB schreit nach einschneidenden Maßnahmen. Im Rahmen eines Sale-and-Lease-Back-Verfahrens wird die Überwachungszentrale für den heimischen Zugsverkehr an die „staatsnahe“ iranische Holdinggesellschaft Ahmadinedsch-AG verkauft. Die Erlöse sollen in neue Dienstwägen investiert werde. Im operativen Betrieb läuft derweil kurioserweise alles nach Plan. Bitter: nach einer jubelnden Presseaussendung der ÖBB übergibt die deutsche Bahn einige Garnituren bewusst verspätet an der Grenze.

Juni
Schlechte Nachrichten für die Passagier des Railjet 68 „Spirit of Bohemia“ von Wien nach München: sechs der sieben Waggons sind ab Linz für die Mitglieder der ÖBB-Eisenbahnerkapelle reserviert, welche in Bayern ein Benefizkonzert für Labradors mit Borderline-Syndrom gibt. Schlechte Nachrichten für den österreichische Zugverkehr: nachdem eine Basstuba beim Einsteigen auf dem Bahnsteig vergessen wurde, muss die Garnitur in Salzburg gedreht werden und fährt nach Linz zurück. Auf der Westbahn kommt es zu Verspätungen zwischen 90 und 200 Minuten.

Juli
Im Sommerloch stürzt sich die österreichische Presse auf den Beratungs-Deal mit Ex-Finanzminister Grasser. Unter medialem Druck löst die Bundesbahn den Vertrag gegen eine Einmalzahlung von zwölf Millionen Euro. Zur Finanzierung werden sämtliche Park-and-Ride-Anlagen der S-Bahn-Haltestellen im Wiener Umland auf dreißig Jahre an lokale Asphaltstockschützen-Vereine verpachtet.

August
Ein Jahrhundertsommer mit Temperaturen von bis zu dreißig Grad kommt über das österreichische Bahnnetz. Zahlreiche Schienenstränge reißen in der extremen Hitze. Gleichzeitig sind unerwartet viele ÖBB-Bedienstete im Urlaub (interne Diktion: „Freizeitbeschaffungsmaßnahmen“), sodass die Instandsetzungsarbeiten auf den Spätherbst verschoben werden müssen.

September
Die neue Dienstwagenflotte ist eingetroffen. Bei einer Pressekonferenz im Marmorsaal der Hofburg betont ÖBB-Pressesprecher Herbert Ofner stolz den geringen Spritverbrauch der Limousinen auf Überlandstrecken. Ofner: „Da werden sie auch hauptsächlich gebraucht.“ Kurz vor Semesterstart solidarisieren sich einige in Umschulungen befindliche Eisenbahner mit protestierenden Studenten und besetzen das Bildungszentrum der ÖBB in St. Pölten/Wörth.

Oktober
IC 501 „Paid by Joe“ von Linz nach Graz ist aufgrund überalterten Rollmaterials ohne eine einzige benützbare Toilette unterwegs. In seiner Notdurft betätigt Passagier Kurt Wabitsch, ASVG-Pensionist aus Gleisdorf, kurz nach Leoben die Notbremse. Die Murtalstrecke bleibt drei Stunden lang gesperrt. Wabitsch landet mit Verdacht auf Blasenriss in der Notaufnahme des LKH Mürzzuschlag.

November
Eine neue Maßnahme zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit tritt in Kraft: bei Verspätungen von mehr als 120 Minuten wird der Zugbegleiter in Zukunft über die Bordlautsprecher sein Bedauern ausdrücken. Zwischen Amstetten und St. Valentin verliert EC 162 „Schwarzes Loch“ infolge eines Türdefekts das mobile Bordbistro. Weil sich spielende Kinder an den herumliegenden Süßigkeiten delektieren, müssen Züge zwischen Linz und St. Pölten über Kirchdorf an der Krems und die Gesäusebahn umgeleitet werden. Der Zugbegleiter drückt über die Bordlautsprecher sein Bedauern aus.

Dezember
Probleme beim Bau des Brennerbasistunnels: durch einen Pilotagefehler an einer Tunnel-bohrmaschine beschreibt die Röhre nun einen Knick nach Osten und endet im Zillertal. ÖBB-General Peter Klugar betont im ORF-Interview die wachsende Bedeutung der internationalen Logistikachse Kopenhagen – Berlin – Innsbruck – Mayrhofen – Jenbach – Innsbruck. Indes wird sich das neue Jahr für ÖBB-Kunden aus betrieblichen Gründen um etwa 140 Minuten verspäten.

Thursday, December 31, 2009

2009 - ein Rückblick

Zweitausendneun, das war ein Jahr,
Mit fast vierhundert Tagen,
Von denen jeder einzigar-
Tig war, wie alle sagen.

Der Wochen zweiundfünfzig Stück,
Und doch nie zwei zur gleichen,
Zeit, fürs Jahr ein großes Glück,
Die Zahl würd sonst nicht reichen.

Ein Jahr wie dieses letzte Jahr,
Wird Gott nie wieder senden,
Und es begann im Januar,
Und heute wird es enden.

Tuesday, December 29, 2009

Nächster Halt

Der unheilvolle Fehltritt ward getan, als der Mensch, der seine Grundbedürfnisse durch innovative Ackerbaumethoden und Roboter mit einem Mal sichergestellt sah, nicht aufhören konnte. Er musste neue Ansprüche stellen, neue Nöte schaffen, neues Verlangen aus dem Ärmel seines groben Leinenhemdes ziehen, weil er sich mit seiner Überflüssigkeit nicht abfinden konnte.

Dieser Rastlosigkeit unserer zu ihrer eigenen Überraschung plötzlich aller Sorgen um Nahrung und Schutz vor der grausamen Natur entledigten Ahnen, verdanken wir die Bedürfnispyramide, deren steile Wände wir alle unsere Leben lang hinaufkraxeln dürfen, getrieben von der Peitsche, die unsere eigene innere Stimme schwingt zum Rhythmus eines gemeingesellschaftlichen Chores von Stimmen, die beständig wiederholen: "Mach etwas aus dir!". Am lautesten schreien unsere Eltern. Mehrmals rasch wiederholt klingt der Satz aus ihren Mündern wie eine Dampflok des frühen 20. Jahrhunderts.

Wenn ich nicht die Verpflichtung hätte, etwas aus mir zu machen, indem ich jahrelang einem möglichst hochrangigen Diplom einer anerkannten staatlichen Hochschule nachlaufe, um die folgenden Jahrzehnte einem Pendel gleich zwischen Schlaf- und Arbeitsplatz hin und her zu schwingen, würde ich mein Leben damit verbringen, an den Verfehlungen meiner Psyche herum zu laborieren, bis ich als befreiter Greis einst den letzten Weg antreten kann. Im Ausgleich für den solcherart verschuldeten sozialen Produktivitätsverlust würde ich mich allein von Hirsekorn ernähren.

Allein, es kann nicht sein. Die Gesellschaft, das heißt ihr bornierte Ansammlung intellektueller Ausschussware, zwingt mich, meinen Traum aufzugeben, um stets beinahe zerquetscht zwischen dem kleinbürgerlichen Familienideal zweier mit allen Konsumgütern der Welt nicht zu stopfender Mäuler und einem bleischweren Hamsterrad, dessen klemmende Nabe mit zwanzig Spannen meiner Hand nicht zu durchmessen wäre, irgendeiner wässrigen Karotte hinterher zu laufen.

Allerdings esse ich dabei besser.

Wednesday, December 02, 2009

Cash in the Cradle

People love money. You could make a killing selling that.

Wednesday, November 25, 2009

Paläste

Wer wie der Autor die Kreativität und den Glauben an die eigene Zukunft vor seiner Unschuld und darüber die Nerven verliert, seinen Stress aber nicht abbauen kann, indem er wieder einmal Amok laufen geht, versteht sich von alleine, was er auch bleibt, wenn die ganze Welt aus Weltburschen besteht, die darauf bestehen, einem ständig auf die verlorenen Nerven zu gehen. Die Welt dreht sich und auch dem Autor alles, denn warum um alles in der sich drehenden Welt hat er auch zwei Tassen Kaffee in ebenso vielen Stunden trinken müssen, wenngleich der Mensch trinken muss, um zu überleben und sich die Welt weiter dreht. Wissenschaftler sagen uns eine überlebensbedrohlich sprunghafte Erwärmung voraus, aber dank der einen Sprung bzw. Spalt offen stehenden Tür kühlt uns stets ein angenehmer Luftzug. Kannst du auf einen Sprung vorbeihüpfen? Zieh, du Haftlmacher!

Tuesday, November 24, 2009

Arigona

Jaja, VoIP ist die Zukunft, aber haben wir nicht langsam genug Skypetaren?

Saturday, November 21, 2009

Österreich

Die Leich'n im Kölla,
Faschwind'n bei uns schnölla,
Wei die Kinda im Souterrän,
Sunst nix zum Futtern hätt'n.

Monday, November 16, 2009

Insulin

Warum strafte Deine Sippe
Mich allein mit Schweinegrippe?
Wenn sie mich jetzt niederspritzen
Kann ich doch nie wieder sitzen.

//Homöpathische Dosis

Saturday, October 31, 2009

Display

Der Kindle ist in Ordnung, aber ich bin auch mit dem Vorgängermodell, dem Reclam, ganz zufrieden.

Tuesday, October 20, 2009

...ville

Tu' mir den Gefall'n und bleib Banker,
Das heißt, nimm' vom Staat ein Geldgeschenk an!

Monday, October 19, 2009

The Subway Seal of Excellence

Deutschlands Regierung ist gerade dabei, die Universitäten unseres Nachbarlandes im Zuge einer Exzellentinitiative zu verbessern. Österreichische Universitäten haben eine solche Verbesserung nicht nötig, zählen sie doch ohnehin bereits zu den besten Ausbildungsstätten des Landes.

Ich dagegen habe beschlossen, mein Privatleben einer Exzellentinitiative zu unterziehen. Wenn ich einen kritischen Blick auf mein Dasein werfe - selten genug kommt das vor - offenbaren sich mir in vielen Bereichen Verbesserungspotenziale. Natürlich spreche ich nicht von den großen Themen wie Arbeit, Liebe und genereller Zufriedenheit. Diese Züge - längst abgefahren - können nur auf der Draisine der kleinen Dinge eingeholt werden.

Deshalb widmet sich meine erste Exzellenzinitiative dem U-Bahn-Fahren. Ich möchte ein perfekter Passagier der Wiener Linien werden, ein Vorbild für Alt und Jung in Bewegung und das Idol jedes stickigen Waggons. Es ist kein leichtes Vorhaben. Ich werde auf der Rolltreppe noch weiter rechts stehen müssen, alten und behinderten Personen noch mehr Sitzplätze überlassen und Bettlern und übrigem Gesindel noch weniger Geld zustecken müssen. In letzterem Fall denke ich sogar daran, mir bisweien ein ein paar Münzen aus den hingehaltenen Hüten zu schnappen.

Wenn du also in naher Zukunft einen in der U-Bahn siehst, der keinen Alkohol konsumiert und auch keine Nahrungsmittel, der nicht übel riecht und keine Kurzgeschichten auf die Sitzbezüge kritzelt, der sich nicht rüde durch die Massen drängelt, um den Wagen rechtzeitig zu verlassen, der keinen Kinderwagenplatz blockiert, keine Gratiszeitungen am Boden verstreut und nicht das erbärmlich seichte VOR-Magazin von seinen Haken stibitzt, dann bin das ich. Viel Spaß bei der Suche!

Friday, October 16, 2009

Silbermond

Schweigen ist Gold. Aber für Euro-Anleger zahlt sich das gar nicht aus.

Tuesday, October 13, 2009

Turnaround

Es wird nicht besser, nur später.

Sunday, September 27, 2009

Profitable Klagen Wagen

Samstag Nacht um Ein Uhr Dreißig,
Ist die Zeit des Monologs,

Dachte sich der Dichter fleißig,
Ein Geleitwort aus und zog's,

Aus dem Hirn sich in die Tasten,
Lastenfrei die Stirn entleert,

Hat gewittergleich er zitternd,
Bitterlich sich reich beschwert.

Tuesday, September 01, 2009

Ratings Gold

[...]

Arbeit ist ein Luxus, den ich mir total versag'
Ich leb' von Luft und Liebe und Kapitalertrag.

Ich führ ein Hundeleben,
Könnte Stunden reden,
Ich verspritz mein Gift und verwunde jeden.

Gähn noch nicht, denn ich hab große Pläne,
Ich hobel Späne
Und zeig die Zähne.

Ich will Südtirol freikaufen
Dabei saufen
Und mit der Bozner Polizei raufen.

Ich will den Status
Des Adlatus
Von Pontius Pilatus
Gang in Bärn ufs Rathus,
Schütt jäds Chindli mit däm Bad us.

[...]

Walleczek

Vor den Erfolg haben die Götter das Fleisch gesetzt.

Monday, August 10, 2009

Die Unterhaltung plätschert dahin

I steh
Am WC
Und loss' rinna.


Werd I je
Die Frau für's Lebm
Find'n kinna?


I hob beim Grobm ah-
Foch ka Glick
Am Pissoah obm Do
Treibt a Tschick.


De bsundan Fraun san oi-
Wei Ondaswo
Soid mi ned wundan wei I steh
Am Herrnklo

Du-du-du ...

Friday, July 10, 2009

Albertina

News wiara Bölla,
A Latschn im Kölla.
Die Latschn trickat,
Oba s'Wossa sickat,
Schnölla.

Monday, July 06, 2009

Vom Biss in den Löwenzahn

Gott, mir sind die Menschen bitter,
Hab Erbarmen, Herr, und schick,
Mit dem Wind ein Sturmgewitter,
Brich den Kopf mir vom Genick!

Deiner Schöpfung höchste Triebe,
Wünsch ich von der Erde fort,
Für mich ist die Nächstenliebe,
Nichts mehr als ein leeres Wort.

Jede Stunde, die ich wache,
Weiß ich: Dies Volk ist nicht meins.
Herr, vergib mir, wie ich lache,
Ob der Seichte ihres Seins.

Vierundzwanzig Jahre reichen,
Die der Mensch mich kochen lässt,
Töte mich und meinesgleichen,
Oder besser noch: den Rest!

Tuesday, June 30, 2009

Halbjahresbilanz

Ich habe neun Monate mit des Kontinents größtem Schmutzfink als Mitbewohner hinter mir. Zu diesem Schluss komme ich, nachdem ich etwa eine halbe Stunde ein kleines Schränkchen geputzt habe, das ich aus seinem Zimmer in das meine zu überführen gedenke und der Fetzen noch immer bei jedem Wischen über die Spanplatte schwarz wird. Ich fühle mich ein wenig wie ein moderner Sisyphos. Immerhin ist der besagte Mitbewohner jetzt ausgezogen. Mit ihm sind auch meine Teller ausgezogen; es hat sie wohl nichts mehr bei mir gehalten.

Auch mich hält es nicht mehr wirklich bei mir. Als Kind wollte ich Dinosaurierforscher werden, aber bisher habe ich nur den Posten eines Hilfserstellers langer Präsentationen erlangt. Immerhin hat sich der Verkauf meiner Träume finanziell bezahlt gemacht, zumindest nach österreichischen Maßstäben. Jedes Monat kann ich mir ein weiteres leisten. Überhaupt geht mir das Land auf den Geist. Das ist bitter, aber ich habe meine rumänische Rapmusik, um mir ein Flair Exotik und Zigeunerbaron in mein frisch geputztes Zimmer zu holen. Zusätzlich zu dem frisch geputzten Schränkchen.

Vielleicht sollte ich so intime Geheimnisse nicht im Internet preisgeben. Immerhin, so der Tenor der auf mich aus den Medien einstürzenden Umwelt, kann das alles später einmal gegen mich verwendet werden. Man stelle sich vor: Walter Gatterer (Künstlername), vom Hilfsersteller langer Präsentationen zum internationalen Sexsymbol aufgestiegen stolpert über einen jahrzehntealten Eintrag in seinem Internet-Tagebuch, in dem er sich selbst des Diebstahls einen Schränkchens bezichtigt. Doch halt! Der Transfer eines Schränkchens von einem Zimmer eines Studentenheims ins nächste ist kein Diebstahl. Deshalb möchte ich hiermit festhalten: Ich werde das Schränkchen bei meinem baldigen Auszug mitgehen lassen. Freiwillig. Ähnlich wie der Schmutzgeier meine Teller.

Der Schmutzgeier. Diese Figur habe ich einem alten Disney-Comic entnommen. Ähnlich wie das Schränkchen bald dem Heim. Ich denke nicht, dass mir dies als Urheberrechtsverletzung zur Last gelegt werden kann. Und wenn doch macht es auch keinen Unterschied mehr. Schon jetzt lastet das Gewicht der ganzen Welt auf meinen Schultern.

Sunday, June 28, 2009

Der Dürre, der beim Bäumlein sitzt

Den Dürren, der beim Bäumlein sitzt,
Und dessen Blick durch's Räumlein flitzt,
Den quält ein Hungerleiden.

Und wenn er keinen Älter'n späht,
Der mit ihm vor den Weltherr'n geht,
Dann muss ein Junger scheiden.

Der Dürre, dort beim Blumentrog,
Der mit sich schon die Muhmen zog,
Der schätzt dich auf's Immense.

Und wenn es ihn auf's Grobe drängt,
Sieh! In der Garderobe hängt,
Sein Werkzeug, seine Sense.

Der Dürre, der die Veilchen netzt,
Und der dich schon ein Weilchen schätzt,
Entlöst dich Deinen Schmerzen,

Wir ander'n - lebend noch, ein Glück!,
Gedenken Deiner noch ein Stück,
Bei ein paar kleinen Kerzen.

Tuesday, June 23, 2009

Whoring out one's "credibility"

Mit Nacktaufnahmen von Dieter Bohlen,
Und seiner Freundin Carine,
Will ich Besucher hier zu mir holen,
Die sonst woanders hin ziehen.

Sei mir nicht gram, denn mein Textegetümmel,
Ist doch fast so interessant,
Wie Dieter Bohlens entblößter Lümmel,
Am mallorquinischen Strand.

---
Noch einige Ankerpunkte:
---

DIETER BOHLEN TANZT NACKT AM STRAND MACARENA - NUR HIER DIE ÜBER-EXKLUSIVEN BILDER

DIETER BOHLEN UND SEINE CARINA: HEISSER PORNO-URLAUB FÜR DIE "FANS"

NEUES BILD-MATERIAL AUFGETAUCHT: DIETER MACHT DEN "HELIKOPTER"

DIETER WIRFT SCHATTEN. BADEGÄSTE: FUCK, WO IST DIE SONNE HIN?

DIETERS KLEINER BOHLEN: STATT STRAND-SEX FÜR BILD-PAPARAZZI INVESTMENT IN OBSKURE RUSSISCHE PENIS-BRUDERSCHAFT

Saturday, June 20, 2009

Heads up!

Man kann jedem Problem wegsterben.

Monday, June 01, 2009

Digitalis

Mei freind dea hod an computer,
Dea computer is a sehr guter,
A tolles modö.
I denk ma dass so a rechna,
A fia mi goa ned schlecht wa,
Und am bestn nu schnö.

Nua vun de ausgepreisten
Kon i mia kan leisten,
Und hätt do wos digitales so gean.
I siz im kreitagoatn,
Mecht ned weita woatn,
Dass de leitaplottn,
Endlich billiga wean.

Drum nimm i digitalis,
Wei ois wos digital is,
Fia mi echt ideal is.

Und kummt ma s reissate,
S innare ans eissare,
Deng i ma i weiß ja eh,

Dass des olles,
Total normal is.

I nimm digitalis in pillenform,
Di i daham im stillen foam,
Wei i ned was ob digitalis
A gonz legal is.
Und so a quartal,
Im Pönal,
Mia ned egal is.

Mit digitalis brauch ich keine kilobyte,
Weil nehm ich ein Kilo beit-
elt es mich eh scho gscheit...

Monday, April 20, 2009

Orgkesta

Banjo do. Tuba da dia, bring ma nu a tr(i)angl!
...
Terzett duad si ned vü.
Schlagzeug hoid ned d' schedln ei!

Wednesday, April 15, 2009

nidazeit

i siz in da hockn
und hob nix zan mochn
jez aug schmeazt scho heftig
wö de luft is vü z trockn
des san so de sochn
mit dena i mi bescheftig

Saturday, March 28, 2009

hiasln es

da hias hod a hittn in da mittn vum goatn
mid a boa steckn in ole fia eckn
und kriagdadi ziagdadi mim schlittn int hittn
schlogt da an steckn mittn duachs beckn
- und do konnst don woatn!

Wednesday, March 18, 2009

Warum trotz Krise kündigen?

Wei's in da Oabeit so fad is
Wia da Noabert im Tschad is.


Saturday, February 28, 2009

"Experte": "BIP sinkt 2009 um 44 Prozent!"

Gatterer: "Überbietet DAS, WIFO und OeNB!"

Wien (red.). Im Rennen um das schwärzeste Sehen in Zeiten der Wirtschaftskrise hat Fast-Fachmann Walter Gatterer gestern eine neue Runde eröffnet. Das österreichische Bruttoinlandsprodukt, so Gatterer, werde in diesem Jahr um volle 44 Prozent zurückgehen - und zwar "nicht vielleicht und in etwa, sondern garantiert und mindestens". Gatterer weiter: "Wahrscheinlich noch mehr!"

Damit liegt die Prognose des Wiener Jung-Finanzpropheten deutlich über den Einschätzungen von WIFO-Chef Aiginger und OeNB-General Nowotny, die bisher lediglich einen Rückgang im einstelligen Bereich vorhersahen. Dazu Gatterer: "Amateure". Der 24-jährige wittert einen Generationenkonflikt. "Wenn ich noch mit der Pferdetramway zur Schule gefahren wäre, hätte ich auch ein Problem damit, in wenigen Monaten von null auf minus 44 zu kommen." Aiginger und Nowotny waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Neben dem kompletten Zusammenbruch der Weltwirtschaft, sagt Gatterer stark unterschiedliche Preisentwicklungen für verschiedene Anlageklassen voraus: "Der Erdölpreis wird weiter niedrig bleiben. Aber Speiseöl - da gibt es Raum nach oben!" Gatterer zur Grundlage seiner Untersuchungen: "Ich gehe durch die Straßen. Ich sehe die Leute." Das legt der Fachmann auch anderen nahe. Gatterer gibt jedoch zu bedenken: "Jetzt heißt es, schnell sein. Seit heute haben wir nur noch 56 Prozent Spielraum für noch pessimistischere Prognosen!"

Saturday, February 21, 2009

12 + x attempts at witty statements

1) There's a reason why I like minivans: all the crack, AK-47s and Moldovan schoolgirls that fit inside.

2) I value people's differences. If you're a socialist, I value that difference as negative.

3) When I'm old, I'll want to relive the past - including the battle of Mohács.

4) I believe Gutenberg gave us books, Darwin gave us monkeys, and Jesus gave us the lower-case "t".

5) If you're in love with a cigarette machine, that's just Stockholm syndrome.

6) Now that I live in Vienna - I waltz the line.

7) I wish I had more Jewish friends, so I'd have something to counter allegations of antisemitism.

8) I hold a doctorate in wiring money from the University of Nizhny Novgorod.

9) I will pay my church tax dues once those Nigerian millions pour in.

10) I like honesty, especially when it comes to PIN numbers.

11) I was very premature as a child. When the others had imaginary friends, I had an imaginary girlfriend. And still do.

12) Later on, she took up residence in my right hand.

x) Not even this trainwreck can damage my trust in my sense of humour.

Synagoggomobil

Israels Autoindustrie ist bekannt für kräftige Muldenkippas und beschnittige Rabbriolets.

Friday, February 20, 2009

Seenot

Ertrinken.

Vgl. in: "Ich muss mir den Respekt meiner Freunde ertrinken."

Monday, February 16, 2009

Schindler's List

Social security is a lot like Santa Claus.
The older you get, the less you can believe in it.

Friday, January 23, 2009

Brutto für netto

Nicht jeder ist Investmentbanker.
Aber jeder ist Geld-
an-Investmentbanker-
Verschenker.

Monday, January 12, 2009

Tuesday, December 30, 2008

Nui Nei

i muass ned woin oba kinz a miassn
i mecht linza daschiassn

Tuesday, December 23, 2008

Sunday, December 21, 2008

-ieder/-ahn

Ich liege im Bett auf dem warmen Gefieder,
Zerbeiß' meinen Stift mit dem Zahn.

Ich schriebe Gedichte, Geschichten und Lieder,
Doch hab' nicht Ideen noch Plan.

Von oben schau'n Goethe und Schiller hernieder,
Sie lachen und johlen und rufen: Oh, sieh! Da
Versucht er's schon wieder im Wahn.

Die Wut fährt mir kalt in die ruhenden Glieder,
Ich schrei es hinaus: Ach, wer sind schon die da?
Nichts als Leimsieder,
So bieder die Lieder,
Und doch jeder stolz wie ein Hahn.

Tuesday, December 16, 2008

Samarhythmic

Hungry people need bread.

Zu Deutsch: Ungarische Bibeln [sind] nicht breit (und passen daher in jedes Regal!).

Sunday, December 14, 2008

Hard Proof

If you are innocent then why am I yelling at you?

Thank god for the misery of others

I wanted to jump off a bridge yesterday, then chose not to. Why? Because unlike people who watch 'Grey's Anatomy', I still have something to live for. And I'm not talking about sex, tasty food or any of those other leftist joys that are supposed to make your existence bearable. I'm talking about the suffering of people who aren't me. Not only is it a great help to put one's own malaise into perspective - it's also usually a good laugh.

So when I witness someone being beaten up on the street, I don't come rushing to assist them. I incite the assailants. From a distance. Unfortunately, Vienna is a rather safe megalopolis, so I am denied even this simple joy all too often. It really makes you want to jump off bridges.

I also enjoy visiting people in hospitals. I may not have a girlfriend, but you have lung cancer! And unlike involuntary celibacy, it's terminal!

So everytime bad things happen to good people (or to bad people - who am I to care?), I mutter a thankful prayer. Or maybe I just stop cursing inwardly for a second. It's not about poetic justice. It's not about tit for tat. It's about poetic capital punishment and tit for getting struck in the face with a pipe wrench. And everytime someone gets struck in the face with a pipe wrench - metaphorically or not - I cheer up a bit.

Saturday, November 29, 2008

Johannes B. (2002, unedit.)

Es wohnt im finstersten Winkel der Schule, dem mystischen Direktorat,
Ein Wesen, dass kratzt mit dem Kopf an der Decke und trägt große Schuhe und Bart.

Das lockige Haar fällt ihm weit in den Nacken und ist wohl in Ehren ergraut,
Zwei rundliche Gläser verstärken die Blicke, wohin dieser Riese auch schaut.

Johannes, so heißt er, doch lang ist es her, dass so ihn jemand genannt,
Denn seit Jahren ist der Johannes uns allen nur als Herr Direkta bekannt;

Seit damals, als er sich mit kräftigen Beinen, nach oben, nach oben sich stieß,
Und all die andern, die oft heut’ noch dort wandern, in ihrem Chaos beließ.

Nun herrscht der Johannes in ledrigem Sessel, regiert mit eiserner Faust,
Während die Welt um die Schule sich ändert, und sich sein Haar weiter kraust.

Kein Verbrechen, keine Untat bleibt ungesühnt, keine schmutzige Weste bleibt weiß,
Denn mächtig sind des Direktors Freunde, im Rathaus, beim Schulrat, am Gleis.

Und wenn Schüler verspätet das Schulhaus erreichen, dann schaltet Johannes auf stur,
Er telefoniert mit den Bahnhofsbeamten, und weiß, wann der Zug wirklich fuhr.

Es ist dieser Wille fürwahr zu bewundern, denn auch, wenn es Wichtiger’s gibt,
So findet er doch stets die Zeit zur Erziehung der Schüler, die er so liebt.

Johannes, Johannes, auch wir, die du führtest, wir ehren, lobpreisen dich sehr,
Wir wünschen dir alle noch recht viele Jahre – uns kratzt es schließlich nicht mehr!

Monday, November 24, 2008

Koaliaison

Den Faymann Werner find' ich herrlich.
Ehrlich ist er zwar nur spärlich.
Doch Ehrlichkeit ist heut'
für d' Leut'
- ehrlich! -
entbehrlich.

Monday, November 17, 2008

klana mo

klana mo mochs weaksdoa zua
schlof an da maschin
kumt east da slowaknbua
is dei stö dahin.

klana mo mid fiass und hend
klomma di ans bond
d ungarn sand ans hackln gwend
und da lohn? a schond.

klana mo bock stock und stoa
moch de grenzn dicht
kummt da tschech da do zuvoa
schiabsd boid d letzte schicht.

Sunday, November 16, 2008

Großes Kino

Walter Gatterer - ein Quantum Fast (ein Wortspiel)

Walter Gatterer, Geheimredaktent im Dienste Seiner Majpresstät Michael I. Hax'n von der Fleischbeschau wird vom Leiter des ressortenreinen Geheimdienstes "Affaires Viennoises" auf einen Fall von baunormer Spannweite angesetzt, der ihn in die Innersten Bezirkel der Macht führen wird.

Ein als grantiger Pensionist getarnter V(ernader)-Mann hat Beweismaterial gefaksimiliert, das von einer ensemblematischen Überbausünde zeugt: in der Altwiener Blumenstockgasse hat eine geheimelige Macht einen die Altwiener Blumenstockgasse querenden Steg im zweiten Altwiener Blumenstock errichtet. Hinterrücks überbrücks und in Form eines bass nicht zur barocken Gebäudegruppe passenden Krupp(?)stahl-Brockens. Vom Regen in die Traufe: nun muss Walter Gatterer den Aus-der-Taufe-Heber des Planken-Horrors ausheben.

Am Abscheuplatz angelangt, hat Walter Gatterer den Drang, die Schlange sang- und klanglos zu belangen, doch dazu täte ihre Identität nät. Sein Unwissen schützt Walter Gatterer nicht vor Strafe, wohl aber form weiteren sträflich (vernach)lässigen Formulieren. Er beginnt seinen Sondiereinsatz und setzt seinen Charme bei der Angestellten der Putzerei in einem der beiden vercharmedelten Objekte ein. Die Dame ist putzig, stellt sich aber dumm (an). Auch in der Bank daneben gibt es nur danebulöse Auskünfte für Walter Gatterer. Hier verwaltet man Unvermögen - das, ihm zu sagen, was er hören will: wem die Willen gehören.

***FIN***det Walter Gatterer je heraus, wer hinter dem Ganzen steht?

& demnächst:
Walter Gatterer und die Unterfreimaurer des Denkmalschutzes

Walter Gatterer erfährt in einer Orgien-und-Mysterien-Buchhandlung den wahren Eigentümer des eigentümlichen Ungetüms: die Altwiener Großloge der Freimaurer Österroreichs. Entsetzt will Walter Gatterer die Welt von der Verschwörung in Kenntnis entsetzen, doch sein Chef verkennt den Ernst der Plage. Ist er einer von ihnen? Sicher. Aber wer sind sie? Und wie lange noch? Walter Gatterer bleibt nur eine Gewissheit: er kann niemanden mehr trauen. Als Laie.

Sub Tiles

Da Aundre Hella
Hod an Kella
Und wea ned foigd
Dea hockt do boid.

Saturday, November 08, 2008

Ex Pressis Verbis - Um Längen teurer

"Über den Wolken ... muss die Beinfreiheit kostenlos sein!"

Parolen dieser Art werden groß gewachsene Reinhard-Mey-Fans bald vor dem Hauptquartier der Air France skandieren. Im Lichte der Krise will sich die gebeutelte Fluglinie ein Zubrot auf dem Rücken bzw. den Beinen ihrer Passagiere verdienen. Künftig wird der Franzosenflieger einen Aufschlag von 50 Euro für Sitze mit mehr Beinfreiheit einheben - konkret für die Plätze vor den Notausgängen, wo die Sitzreihen weiter auseinanderstehen.

Zuschläge für übergewichtige Fluggäste sind schon seit längerem angedacht. Jetzt kommen auch die Langbeinigen zum Fußkuss. Bei den maroden Airlines firmieren die Zusatzprofite bereits als "Kilo/Meter-Geld". Die kleinen Dünnen mögen sich da noch in ihre winzigen Fäustchen lachen. Doch nicht zu laut: Lange Beine laufen schneller!

Friday, October 24, 2008

Vers 2410

Christian tradet statt Casino.
Vierzig Euro! Großes Kino!

Thursday, October 23, 2008

Vers 2310

Christian ärgert im Privaten,
sein Geschäft mit Derivaten.

Tuesday, October 21, 2008

Vers 2110

Christian weiß noch vor der Börse:
Austro-Airline? It gets worse.

Monday, October 20, 2008

Vers 2010

Christian und der Herr Minister,
schmieden Pläne - wie sinister!

1910:
Christian thinks the streets are pretty,
once the light has left the city.

Sunday, October 12, 2008

Tuesday, October 07, 2008

Distraction

Die Geschichte von Alice im WunderlanDistraction allein, weil das ja alles gar nicht stimmt.

Monday, October 06, 2008

Cancer

Kinder, cancer bissl leiser sein?

Sunday, August 31, 2008

Thursday, August 28, 2008

voyn

ans mechti kena
mi
ans geng wend rena
gwena

Thursday, August 21, 2008

Geheimrat

Wenn du als Oberösterreicher eine Wohnung in Wien suchst ... vermeide die Formulierung "Lebensraum im Osten".

Monday, August 11, 2008

Dornwald

Was trug Maria unterm Herzen?
Eine Kiste Zipfer Märzen.

Friday, July 04, 2008

Schubladler

Manche Leute sind gut drauf, wenn alles für sie läuft und schlecht, wenn sie Probleme haben. Diese Leute sind Opportunisten. Manche Leute sind in bester Stimmung, obwohl ihnen das Schicksal beständig Knüppel zwischen die Beine wirft. Diese Leute sind Idioten. Zuletzt gibt es Leute, die sind unzufrieden und verärgert, auch wenn ihnen ihr Leben gar keinen Grund dazu gibt. Diese Leute sind Künstler.

Monday, June 02, 2008

Don't Hassle That Burger

I've been sending out e-mails.
I've been writing a lot.
I've sent them out to females.
No replies I've got.

Saturday, May 24, 2008

Log. Bewerb.

21:44
kroatiens alter mann macht mir angst. er ist älter als das grammophon. der sprecher meint der alte hätte sich vorher angetschechert. kein wunder. kroatien ist vorbei.
es folgt polen. das lied fängt furchtbar an, wahrscheinlich geht es so weiter. die sängerin sieht aus wie arielle in ihrem tiefgeschlitzten meerjungfrauenkleid. ich glaube, sie singt auf englisch. ich kann nicht denken, weil mein hirn einschläft, aber so ist das eben bei großen gefühlen. wann werden die menschen je verstehen? das lied ist fast so toll wie die titanic titelmelodie. celine dion fans sind enorm, in dem sinn dass sie gegen alle regeln verstoßen. vor allem der natur. die ganze bühne ist blau. das ist sehr meditativ, sodass ich meine seele wandern lassen und ihre pfade hier kartographieren kann. ergebnis: ich habe zu wenig freunde. ich bräuchte eine ganze armee. in enganliegenden kleidern mit großer oberweite. auch die herren. und alle hätten perfekte zähne wie die polin.

21:48
ein regnerischer frühling in belgrad? die ganze stadt kann es wegschwemmen. aber die hauptstraße ist nett, soweit ich mich erinnere. viele regenschirme zittern am schirm.
es folgt island mit der euroband. der sänger verbringt seine tage mit dem warten auf glück das seines weges kommt. er ist mein seelenverwandter, aber hoffentlich sehe ich komplett anders aus. island hat nicht einmal den euro eingeführt, der name ist doch anmaßung … die sängerin hat dickere oberarme als ich. das ist nicht allzu schwer. das ist ihr leeeeeeben. singen sie. ich komme nicht ganz drauf, was an dem lied genau aussagen über ihr leben sind. vielleicht leben sie zuhause auch auf einer bühne und haben statt energiesparlampen scheinwerfer in den fassungen. island ist ja dank der erdwärme nicht aufs energie sparen angewiesen. verdammte nördlinge. reibt es uns nur rein! diese erdbeerspießchen auf dem schirm sehen gut aus.
die türkische band singt angeblich gegen atomkraftwerke. das heutige lied ist ein liebeslied auf innere dämonen. morgen gehe ich radfahren. ich mag die gitarren im glitzerlook. sicher einzelstücke. das lied könnte jeden atomreaktor zum schmelzen bringen. zartschmelzende weiße schokolade auf den erdbeerspießchen. wie bitter wenn man wieder einmal nicht haben kann, was der bildschirm zeigt. ähnlich wie bei den ausstrahlungen auf kabel 1 nach mitternacht. offensichtlich hat einer der sänge eine gitarre mit türkischer flagge drauf. sponsored by kronenzeitung.

21:56
werbepause. man wirbt für: kleine kinder auf dreirädern, erotische beziehungen zu kiwis. auf comedy central läuft little britain.

22:00
return to the contest. portugal stampft über die lautsprecher. die dicke sängerin schaut der blonden aus nächster nähe ins dekolleté. und ist traurig. sie trägt als einzige schwarz. schwarz und gold. die portugiesischen landesfarben, diese stille poesie nimmt mir den atem. oder die macht der melodie? eine von den sängerinnen hatte krebs und trägt eine glatze zur toga.
lettländische piraten singen über seewölfe. so ähnlich wird die musi auf dem waldinger ortsfest, 30. – 32. (sic!) mai beim schned in purwörth. kumts ole! pirates are all the lettish pirates can be and they will steal the show. just like your ear virginity. aber es ist gut, wenn diese armen oststaaten sparsamkeit beweisen. immerhin kostet es einiges an geld, so einen song contest auszutragen. serbien musste dafür den kosovo verkaufen. der lettische sänger hat ein kapperl wie dj ötzi.

22:06
schweden war früher eine europäische großmacht, stieg jedoch im 17. jahrhundert in die weitgehende bedeutungslosigkeit ab. die sängerin erzwingt das recht auf freie rede: „bah, is de schiach.“ die rolle der hintergrundsängerinnen ist nicht ganz klar. wahrscheinlich spritzen sie zwischendurch das botox nach. jetzt steht plötzlich noch so eine ikone der homosexuellen szene in göteborg auf der bühne. oder ein promifriseur. ich will tischtennis spielen. das publikum tobt. die orf-kommentatoren kommen sich ähnlich lustig vor wie ich.
für dänemark singt ein engländer seit er sechs ist. er hat im knabenchor angefangen, wurde dann missbraucht und lief in einem einkaufszentrum amok. die teilnahme am songcontest ist teil eines neuen rehabilitationsprogramm. er fühlt sich super, weil die sonne scheint und trägt dennoch eine baskenmütze. feier gute zeiten die ganze nacht. aber da scheint keine sonne, wie soll man da gut drauf sein? simon, sei die sonne meines lebens! und schenk mir deine hosenträger! das lied besteht praktisch nur aus der strophe „all night long“ und endet mit einem „yeah“. mein leben sollte auch mit einem yeah enden. yeah.

22:14
georgien hat schon viel gesehen, im gegensatz zur blinden sängerin die es vertritt. sie hat ein uneheliches kind von putin, wenn ich das richtig verstanden habe. ich glaube, man darf ihr kleid nicht kritisieren. sie ist ja blind. bei dem lied fallen auch meine augen zu.
jetzt jongliert eine serbin mit tüchern in der einspielung die ukrainische fahne zusammen. die ukrainische sängerin gefällt mir. optisch. vielleicht kaufe ich dort später meine frau. baby, ich will dein becken checken. was soll der ring am oberarm? sicher nur eine tetanusimpfung. oder ein kommunistisches kontrazeptivum. einer von den tänzern schlägt aus dem stand salti rückwärts. das ist auch beeindruckend … etwas.

22:21
endlich sehe ich die moderatoren des abends. er ist popstar, sie völkermörderin. der franzose singt vor einem chor aus orthodoxen juden. und er fährt ein golfcart auf die bühne. er sieht aus wie jesus denn er ist der messias, auf den die juden warten. und versuch immer, die milchstraße zu finden!
aserbaidschan verschießt erst einmal ein feuerwerk, bevor der als engel ausstaffierte sänger loslegt. der sänger ist immer an meiner seite, singt er. auf einer weltkarte liegt baku ganz nah bei walding.

Sirenenprobe

Am Samstag erwache ich von vielstimmigem Sirenengeheul. Der Schock fährt mir ins Mark. Verdammt, habe ich tatsächlich bis zwölf Uhr geschlafen? Ein Blick auf die Uhr beruhigt mich. 7:18 ... Gott sei Dank! Nur ein schwerer Verkehrsunfall.

Tuesday, May 20, 2008

Mantra des modernen Menschen

Sei produktiv!
Und bitte sei flexibel!
Schwör auf deine Kompetenz,
Aber schwör auf keine Bibel!

Bild dich fort!
Steh nie still!
Stillstand ist gefährlich!
Betrüg die ganze Welt,
Aber wichtig:
Bleib stets ehrlich!

Sieh die Höhe des Gehalts
Als Maßstab deines Werts!
Häng die Träume an den Nagel!
An die Arbeit häng dein Herz!

Sieh dich und deinen Chef
Als deine Kernbeziehung!
Führ mit deiner Freundin
Trotz geteilter Wohnung
Eine Fernbeziehung!

Zeig Elan!
Engagement!
Hetz dich brav ab!
Ist dein Tag dafür zu kurz?
Schaff den Schlaf ab!

köna! núans.

kea dazúa
losdiófyn

schitténi
wos ged

geznéama
gézda anéama
psúndas

swiat zea zelebríat
sdíchzei

Wednesday, April 30, 2008

ssággal

om stet
glíxgex
midíngwa
íisaglíxgex
íisadswéz
íisadríz
itschéxglig
nix

(tondok)

intasiti

im intasiti sizi ligi
draami drami gegn d wond
und da intasiti schiabtmi
fiadmi ham ins hamatlond

intasiti ziagdi viri
foa noh foan i muas do zruk
weil i oidi hoibm sochn
nima lenga duri druk

ois faschiabzi aronschiazi
ondast oisi woitass wa
ned hoibvoi iss glasl fia mi
ned hoibla fia mi is la

intasiti losmi lingi
bleib do ling solong dass ged
oba zlezd muas ahi ausi
ewi midfoan ged hoid ned

---

Eric, this Intercity did not pass through Amstetten.

---

Now also available as MP3, complete with depressing guitar chords.

Monday, April 28, 2008

A Simple Truth

There will never be no future in hedging.

Monday, April 21, 2008

wos

i moch ma soang
si song: nix ged
vu heid auf moang
oba es steht
do fest das do a so is
dass' moang zan heid wiad
wons don do is
drum wead i ma moang denga
und deng ma heid a
leida
ged nia wos weida.

Lest the Anglophone multitudes (Hello, Eric!) feel left out:

i worry
they say: nothing gets done
from today until tomorrow
but it is certain that
tomorrow becomes today
when it is there
so i will think tomorrow
and think today as well
lamentably
nothing ever gets done

Monday, April 07, 2008

Chief Rap Officer - "ghettUU"

woiding! bis in tod,
mei hoats pflasta
hoat wia oids brod
wia rohe pasta
foad hundatsiemazwanzga o im opel astra
onlog on masta
da trebbl passt
und da bass passt a

... and as a (questionable) service to the English-speaking among our viewer (sic!), a translation:

walding! until death
my hard turf
hard like old bread
or uncooked pasta
criving down the B 127 in the opel astra
sound system on chief
the treble is alright
and so is the base

Verily, we can agree on that it better be left in dialect, can we not? (Hint: we can!)

Friday, March 21, 2008

Quest for Attention

Is this not an outrage? It better be or I'll be bitter.

Thursday, March 20, 2008

TTYN Language Exchange ... Shout-outs to my Celtic buddies

Google will soon read your thoughts and publish them on the internet, and it has other great projects, too. Like Google Analytics, recently recommended to me by "friend of the blog" Sebastian. It allows proud bloggers (and people who are bloggers but try to deny it like myself) to keep track of who exactly is paying them a virtual visit and where those people are from. For me, checking my Google Analytics reports has within two days become my favourite pastime after breathing, especially since I saw the geographical distribution of my fanatic admirers:
3 ... Austria
2 ... Germany
2 ... Switzerland
1 ... United States
1 ... Ireland

I hate writing in caps or using multiple exclamation marks but WOW!!! Ireland! A proud leprechaun or shade of green, Ireland's two main population groups as TV and travel magazines have me believe, has recently viewed my blog (for more or less two seconds, as Google Analytics also tells me). Due to this breath-taking rise in international TTYN ("The Truth You Need") awareness, I have decided to give in to globalization and publish all my hot new creative material in English from now on until I grow tired of it or the Chinese invade.

My secret agenda is, of course, to collect visitors from as many exotic countries as possible. My wish-list is spearheaded by Kyrgyzstan, Madagaskar and the British Virgin Islands. So if any of your friends/relatives/organ farms live in far-away countries due to birth/marriage/imminent incarceration in their home country send them a link to this site and have them visit it under some pretense ("Dude, I found the weirdest XXX man-on-saber-toothed-tiger footage!"). If they pay this site a visit, I will send you a T-shirt (I have many old T-shirts so I might even keep that promise). If they leave a comment, I'll wash the T-shirt before mailing it.

Monday, March 10, 2008

Chief Rap Officer - "Terminware"

Ich will Lizenzgebühren
Die Konkurrenz brüskieren
Es ist zwar teuer, doch ich lass mich gern im Benz chauffieren
Um mir zu garantieren
Dass mich die Fans hofieren
Es zahlt sich aus
Jeder malt sich aus
Ich mal mein Haus aus
Mit Platinfarbe
Ich liefer Terminware
Wobei ich Benzin spare
Weil ich mit der Bahn zum Termin hinfahre
Und nicht erster Klasse, als Gepäckstück
Da ich Dreckstück
Frau'n meine Hand zu gern ans Heck drück
Und die Richter in den Strafprozessen
Brav vergessen
Das Strafmaß moderat zu bemessen
Zieht's mir das Gewand aus
Ich weiß, ich bin ein Biest
Doch mir rutscht immer die Hand aus
Mein Benz ist nur geleast
Denn mein Corsa steht im Pfandhaus
...

MP3 auf begründete Anfrage, jedoch ohne "Beat". Ich kann keinen "Beat" machen. Ich "Beat"nik(s).

Monday, February 25, 2008

Iterum Nihil Longius

Bitter schmeckt vertane Zeit,
Wenn dir einst die Stunde schlägt.
Lebe für den Tag bereit,
Da man dich zu Grabe trägt.

Friday, February 15, 2008

ima i

i hoss i hoss' i hoss' sofü i hob soan hoss i haun gnua i hau zua oba ole haun si o ole hand dageng i a i hob nix zan mön ima nua se se kuman si so guat foa se song sei do ned aso so bini oba ned wia bin i wia soidi sei? wiaso ned glei aso songs i man nua i hob nix xokt i hob nix iwa i hob fia eich nix iwa oba iwa oba iwahaupt nix nikkn dans so wiaz ima sei ima nix iwa oba eh

Thursday, February 07, 2008

I have a dream.

But once I wake up, I won't remember.

Monday, February 04, 2008

Immer wenn ich dieses Pulver ...

Unsere Kultur steht an der Schwelle zum Untergang und Schuld tragen einzig und allein die Billigfluglinien. Eines vorweg: ich habe nichts gegen die Globalisierung. Sie sorgt dafür, dass mich die Schuhe an meinen Füßen kein zwanzig Euro kosten und dass sich Millionen Chinesen lieber in stickigen Fabriken zu Tode schinden, als einen langen Marsch vor meine Haustür anzutreten. Was meinen Unmut erregt sind die Wegbereiter der Globalisierung, insbesondere Fracht- und Transportunternehmen. Wir wollen unterscheiden: ich bin kein erklärter Feind von Reedereien, auch wenn ich mir keine Maersk-Aktie um 10.000 Euro leisten kann. Sogar Speditionen kann ich tolerieren, immerhin lebe ich nicht im Unterinntal. Lediglich Fluglinien treiben mir die Zornesröte ins Gesicht. Warum? Das kann niemand sagen, nicht einmal der Richter, der mich letztes Jahr wegen versuchter Inbrandsetzung eines Jumbo-Jets verurteilt hat.
Als kleines Kind bin ich stets gern geflogen. Genau genommen bin ich als kleines Kind zweimal geflogen, nämlich nach Kreta und zurück. Danach wollten meine Eltern kein Flugzeug mehr mit mir teilen und ich blieb am Boden. Zum zweiten Mal in meinem Leben kletterte ich in Mitte der 90er ins Cockpit (und wurde zurück in die Economy Class verwiesen). Anlass und Ziel der Reise sind mir unbekannt, aber schon damals merkte ich, dass ich und die Fluggesellschaft keine besten Freunde werden würden. Wir waren einfach zu verschieden: sie hatte eine Luftflotte und ich noch keine Schambehaarung. Vollends brach mein Widerwillen aus, als nach der Jahrtausendwende die Billigfluglinien an Boden gewannen. Schon das Konzept war mir suspekt. Natürlich, man zahlte deutlich weniger für seinen Flug, aber muss ich betonen, dass ich anhin komplett gratis geflogen war, nämlich als Gast meiner Eltern? Das plötzliche Ende von deren Großzügigkeit und das Ausdembodenschießen dubioser Lufttransportfirmen konnten kein Zufall gewesen sein. Mein Vertrauen in Gott und die Welt war erschüttert. Ich war stets ein schüchternes Kind gewesen, aber nun zog ich mich vollkommen zurück. Ich verbrachte Tage und Nächte am Fenster und führte Buch über Zahl, Farbe und Dicke der Kondensstreifen, die den Himmel über unserem Haus durchkreuzten wie Narben der Wunden, die der billige Flug meiner Seele geschlagen hatte. Etwa um die selbe Zeit stürzten die Türme des World Trade Centers unter andauerndem Flugzeugbeschuss in sich zusammen. Kreidebleich verfolgte ich die Bilder vor dem elterlichen Fernseher. Immerhin dessen Benützung war mir noch gebührenfrei gestattet. Ein Gedanke ließ mich nicht mehr los: WTC … CWG … wie knapp war ich dem Tod von der Schippe gesprungen? Die nächsten Wochen verbrachte ich im Keller. Meine Freunde wandten sich von mir ab und flogen günstig nach London, Lissabon und Kopenhagen. Anfang 2002 konnte ich mich überwinden, die Kellertreppe hochzusteigen. Ich verließ das Haus mit Sonnenbrille und falschem Bart und trat den Weg aufs Gemeindeamt an, um eine neue Idntität anzunehmen.
Mit meinem neuen, auf den Namen Costa Potente lautenden Pass buchte ich von einem maltesischen Internetkaffee aus einen Platz auf einem Ryanair-Flug von Bremen nach Riga. Kenne den Feind, sagt schon Konfuzius. Konfuzius sagt viele Dinge, dachte ich mir am Tag des Abflugs und hätte vor Angsträmpfen beinahe nicht das Bett verlassen. Ich riss mich zusammen. Der Bremer Flughafen ist sauber und modern, bis auf den Teil, von dem aus Ryanair die Verdammten in alle Höllen dieser Welt katapultiert. Ich fühlte mich wie in einem IKEA-Möbelhaus, mit ähnlich hoher Inzidenz von Blau, schreienden Kleinkindern, und Gelb. „Willkommen, Herr Potente!“ sagte der Transvestit am Gate. Meine Verkleidung hielt. Ich konnte ruhiger atmen. Es zeigte sich bald, dass meine frühere Flugerfahrung hier von geringem Wert war. Oben war unten, gestern war links und statt in einer Schlage stellte man sich in einer pulsierenden Traube zum Boarding an. Blessiert, aber lebend gelangte ich an Bord des altersschwachen Fliegers. Bei Ryanair herrschte das Prinzip einer freien Sitzplatzwahl.und so wählte ich den einen Sitzplatz, der noch frei war. Ich sank in die Bestuhlung, während sich im Gang die Leute auf den Stehplätzen um die Haltegriffe zu streiten begannen. Der Flieger hob ab. Ich hatte es geschafft. Nun würde mich nicht einmal Easyjet aufhalten können. Die letzten Gebäude des Bremer Elbhafens verschwanden in der Nebeldecke und die letzten Reste meines Frühstück verschwanden in meinem Zwöffingerdarm. Mein Magen knurrte. Nach einer Stunde wurde der Hunger übermächtig. Ich blickte vor und zurück. Dunkel meinte ich mich an einen Handwagen oder eine Art große magische Truhe erinnern zu können, die den Mittelkorridor hinauf- und hinunterschwebte, Essen von kunststoffartiger Konsistenz in Plastikschalen verteilend. Aber – ach! – die Rettung blieb aus. Ich schrie. Ich tobte. Ich brach zusammen und verbarg meinen ausgemergelten Körper unter dem Vordersitz, was möglich war, da ich mein Handgepäck in den Fächern unter der Kabinendecke verstaut hatte. Meine zitternde Hand streifte ein laminiertes Pappschild. Das Bordmenü. Mein Blick fiel auf die Preise und meine Augen weiteten sich schreckerfüllt. Das also war es. Nimmer war ich unerkannt an Bord gegangen – die Billigflieger hatten mir eine Falle gestellt und ich war ihnen wie ein blindes Huhn vors Schlachtmesser gelaufen. Und jetzt: Geld oder Leben! Vor meinen Augen begann sich das Flugzeuginnere zu drehen. Ich fühlte meine Beine nicht mehr. Mein Körper begann bereits, sich selbst zu verdauen. „Ich bin zu jung zum Sterben!“, rief ich mit schwindender Kraft. Dann wurde mir schwarz vor Augen.
Den Aussagen meiner Mitreisenden entnehme ich folgendes Bild über den Rest des Fluges: ein Erzengel stieg aus den himmlischen Sphären herab und ergriff von meinem Körper Besitz. Er führte meine Hand an mein Portmonnaie und ließ mich ein Sandwich von mittlerer Größe ordern. Wäre ich der Tschad gewesen, der Preis hätte alle Fortschritte im Zuge des Entschuldungsprogramms für die ärmsten Staaten der Welt zunichte gemacht. In Riga verließ ich den Flieger. Ich lebte, aber ich hatte nur noch die Kleider, die ich am Leibe trug. Costa Potentes weltumspannendes Imperium fensterloser Kellerräume gehörte nun Ryanair. Ich zuckte die Schultern und ließ mich Lettland nieder. Später brachte ich es bis zum Ministerpräsidenten, doch die Erinnerung an jenen schicksalhaften Flug ließ mich zeit meines Lebens nicht mehr los. Es ist eine traurige Geschichte, aber ich musste sie erleben, um sie erzählen zu können.

Sunday, January 27, 2008

They Thought It Lost

Christian Spekulatius –
DIE WAHRHEIT



1927 geboren als Don Alejandro de la Ipojondría in Lissabon

1929: Doktorat für Zahnheilkunde an der Universität Heidelberg

1931: Rede vor dem britischen Unterhaus (Vorschlag der Einführung eines Polizeistaates)

1934: mit überragender Mehrheit zum Vorsitzenden der KPdSU gewählt, obwohl nicht als
Kandidat gemeldet

1935: Abschluss der "Theorien über die kalte Fusion"

1937: aus Zeitmangel Übergabe der Führung der SU an Genosse Dschugaschwili

1941: das Weiße Haus ignoriert eine von mir eingereichte Warnung betreffend Pearl Harbour

1942: Gründung der "Internationalen Atomenergiebehörde"

1943: erfolgreiche Ein-Mann-Einkesselung der deutschen Truppen bei Stalingrad

1944: Empfang eines anonymen Drohbriefes mit dem Stempel der Reichskanzlei

1945: Diebstahl meiner Aufzeichnungen über die Atomenergie durch die Amerikaner, eine Klage vor dem Obersten Gerichtshof wird abgewiesen

1947: erfolglose Teilnahme am Hitlerattentat vom 14. August

1950: nachträgliches Ablegen der Matura

1952: Inhaber des Lehrstuhls für Paläoquantenchemie an der Erzfürstlichen Hochschule Karachi

1953: Beendigung des Koreakrieges durch Organsiation einer Bridgepartie zwischen Eisenhower, Tse-Tung, Chruschtschow und mir. Gewinn des Spiels durch mich.

1954: eine Anklage auf Betrug vor dem Kaiserlichen Schwurgericht in Chicago erweist sich als haltlos

1956: das britische Unterhaus debattiert erneut über meinen Polizeistaat-Vorschlag

1961: Landung auf dem Mond. Vor Weiterflug zum Mars Hinterlassung einer Grußkarte für Armstrong

1964: Gründung der "Bangladesh Mining Inc."

1965: Konkurs der "Bangladesh Mining Inc." durch Fehlspekulationen

1966: Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der "Bangladesh Mining Inc." wird in Rio de Janeiro
erschossen aufgefunden, Dankschreiben an den Chef des brasiliansichen Inlandsgeheimdienstes

1967: Bau der Transatlantischen Brücke (vom US-Geheimdienst bis heute geheimgehalten), Beginn des Studiums der Nederlandistik in Paris

1968: nach Streit mit der Professorenschaft Anzettelung von Studentenunruhen

1969: Neil Armstrong und sein Kollege Muhammad Al-Sharif finden meine Grußkarte auf dem Mond. Armstrong erschlägt Al-Sharif, da dieser die Karte nicht vernichten will

1970: das britische Unterhaus gibt den Diebstahl von parlamentarischen Protokollen aus den frühen Dreißiger Jahren bekannt

1973: Erringung des Sieges in der Schlacht von Mexico City, Auflösung der "Lateinamerikanischen Polizeirepublik"

1975: Gründung der "Freien Demokratie Mururoa"

1977: Unbekannte gründen eine Sekte zu meinen Ehren

1979: Herausgabe der Neufassung der Bibel - Audienz beim Papst betreffend meiner Geschichte von Jonas und dem Walfisch (Johannes Paul II.: "unglaubwürdig und absurd")

1982: erste erfolgreiche Klonung eines menschlichen Wesens in der FD Mururoa, Aufbau einer gewaltigen Armee

1984: Schaffung einer zweiten Identität in Österreich, Änderung des zweiten Vornamens von Spekulatius auf Walter zwecks Unauffälligkeit, Massenselbstmord der "Spekulanten" nach meiner Weigerung, sie in einem Raumschiff zu entführen

1985: eine mururoische Invasion vor Los Angeles schlägt fehl

1986: endgültige Vernichtung der FD Mururoa durch amerikanische Truppen,

1989: versehentliche Öffnung der Sowjetunion durch Gorbatschow, bei meinem Eintreffen am Flughafen von Moskau ist die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten

1991: erfolgreiche Expedition zum Kilimandscharo, Auffindung eines Jungbrunnens

1994: ein Anschlag der mir bis dahin unbekannten "Volkswehr Mururoa" auf ein Weingut in der Champagne schlägt fehl, Flucht nach Oberösterreich (zuvor Einnahme von Jungbrunnenwasser, um günstigeres "Kinderticket" zu bekommen)

1996: endgültige Vernichtung Mururoas durch französische Atomwaffen

1998: Streit mit dem Direktor eines Linzer Gymnasiums betreffend meiner 1950 abgelegten Matura (Franz Mayr: "Das ist gefälscht!")

1999: Direktor Mayr geht nach einem Drohschreiben des "Mururoischen Exilschützenfestes" überstürzt in Pension

2001/2: telefonisch beauftragte Einheitswährung Euro wird eingeführt

2002: Bezichtigung der Lüge durch Nachfolger von Mayr - Maßnahmen gesetzt, weitere Aufzeichnungen folgen!

Sunday, January 13, 2008

dass man sich darüber im klaren hätte sein können dass es nichts wird stand im prinzip von vornherein fest insofern als man stets dazu neigt über unsicheres zukünftiges annahmen zu treffen basierend auf erfahrungen der vergangenheit die nicht notwendigerweise mit diesem zukünftigen in verbindung stehen müssen und es auch meistens nicht tun was zu einer komplett fehlgeleiteten erwartungshaltung des individuums angesichts des auf es zukommenden führt was naturgemäß enttäuschung auslöst wenn die deckungsgleichheit von erwartung und ergebnis nicht einmal im ansatz gegeben ist

Friday, December 21, 2007

Weltsprache Latein

Die Wahrheit, die du brauchst, wünscht dem Messias und allen Selbstdarstellern Alles Gute zum Geburtstag und Frohe Festtage.


Monday, December 10, 2007

schlaflos im salettl

i hob a gmitalichs bett im haus
doat schlofat i gean efta aus
nua kiazt da leam vun deim pöscho
in schlof mia jedn morgn o
... des schiache puan

mei haus des hod a tial voan
und kumst nu amoi zuwagfoan
don schmeiß i durch des tial dia
an schwahn staa and foaratia
... des soids scho tuan

Wednesday, December 05, 2007

Bon Appétit

There is no such thing as a free lunch except for when I'm at my parents' house.

Tuesday, December 04, 2007

Am Tag vor Morgen

Der 4. Dezember 2007. Schicksalstag. Jahrtausendtag. Dienstag. Der Student, zumindest nominell noch zur Führung dieses Titels berechtigt, erwacht zum metallischem Klirren seines Mobiltelefons. Es ist sieben Uhr zehn. Herrgottsfrüh. Zu früh. Der Student drückt einige Tasten und das Klirren verstummt. Auch der Student verstummt. Die Nacht hebt sich vom Land, der Student irgendwann vom Bett. Acht Uhr zwei. Später. Der Student erhebt sich. Er ächzt, denn so ist es seine Gewohnheit. Der Inhalt einer Wasserflasche ergießt sich in den Studenten. Dieser öffnet das Fenster und frische Luft ergießt sich in das Zimmer, welches der Student in der Folge verlässt. Er kehrt zurück und stellt das Bügelbrett aus einer Ecke in eine Mitte des Zimmers. Er holt das Bügeleisen aus dem Wohnzimmer und steckt es an, auf dass es sich aufheize. Zum Ausgleich dreht er die Heizung ab. Der Küche bleibt der Student fern, nicht jedoch dem Bad, denn dort befindet sich die Dusche. Der Student duscht und das Wasser fällt uns so seine Lider. Der Student reibt eine Bürste an seinem Gebiss, schiebt sich Plastikschalen über die Augäpfel und kappt eine Anzahl von Haaren in seinem verquollenen Gesicht. Er kehrt zurück ins Zimmer. Das Bügeleisen hat sich seiner erwärmt. Gedankenverloren verliert sich der Student im Bügeln eines Hemds, unabdingbarer Bestandteil des Arbeitstages. Er besprüht das Hemd mit Wasser und dreht mit dem Eisen einige Runden auf der Feuchtfläche. Der Student steckt das Bügeleisen aus. Er zieht das Hemd an, gleichwohl es feucht ist. Auch draußen ist es feucht. Einige Utensilien in seinem Rucksack verstauend verlässt der Student das Haus, behost, besakkot und bemantelt, jedoch unbekrawattet; er hat diesem Galgenstrick der Arbeitswelt vor kurzem abgeschworen. Der Student verbringt einige Stunden in seinem Büro, schreibt einige Seiten nichtssagenden Texts, isst und hängt Gedanken nach. Der Student hat einen kreativen Schub. Der 4. Dezember neigt sich dem Ende zu. Der Student hat noch zwanzig Seiten zu schreiben. Der Student hat noch 10 Tage Zeit. Der Student hat Schuldgefühle. Der Student hat auch einige T-Shirts, eine Münze aus der Römerzeit und zwei Geschwister. Haben. Soll und haben. Die Arbeit soll 60 Seiten haben. Was soll das?

Tuesday, November 27, 2007

hurnaus

es saz hoat

bini ned heata

heat si jo ois auf

heast

hoizn auf

hoiz zom hiazd

hachgotzeitn

Wednesday, October 31, 2007

Meine Augen schmerzen

Ich paraphrasiere den unvergleichlichen Eko Fresh, wenn ich sage "Wer braucht Augen, ich habe mich von jedem getrennt." und habe recht. Es wird zur Gewohnheit. Auch die Augenschmerzen werden zur Gewohnheit, aber nicht so. Eher zu einer Ungewohnheit, so wie in "Es ist ungewöhnlich, dass mir andauernd die Augen wehtun."

Der Schmerz ist erträglich. Er ist auch einträglich, weil er mit der Arbeit für meinen Masterabschluss in Zusammenhang steht, der mir beim Großverdienen dienlich sein wird. Aber diese Augen! Ist ein Leben in Reichtum, aber mit abgestorbenen Augäpfeln einem Leben in ehr- und sichtbarer Armut vorzuziehen? Soll ein Mensch von gutem Aussehen sein gutes Aus-Sehen auf dem Altar der guten Aussichten opfern? Es sind Fragen, wie diese, die mir durch den Kopf gehen, in etwa dort, wo auch der Sehnerv durch diesen geht. Ab und zu geht die Sorge um mein Sehen mit mir durch - das kostet Nerven. Unternehmer klagen oft, dass die Kosten ihrer Arbeit sie auffressen. Aber in meinem Fall frisst die Arbeit mein Sehvermögen und ich vermag kein Ende zu sehen.

Erst im Sommer hat man mir neue Linsen angepasst. Alles passte, insbesondere sie. Aber dann ging es bergab, so lange bis ich auf 38 m. über dem Meeresspiegel angekommen war und mich trotz Linsen, trotz Brillen im Spiegel nur noch schemenhaft erkannte. Beschämend. Auch Schriften verschwimmen vor meinen Augen. Schwimm ist das! möchte man sagen, aber man sagt es nicht, denn es wäre ein platter Witz, der nicht zu der immer stärkeren Wölbung meiner Hornhaut passt. Das Stigma des Astigmatismus.

Manche Leute verlieren ob ihrer schlechten Gesundheit alle Lebensfreude. Mir genügen dazu schon kaputte Augen. Ich bin eben ein genügsamer Mensch.

Wednesday, October 24, 2007

Madagascar

I heard Al Gore Madagascar, so we wouldn't waste so much oil.

Saturday, May 12, 2007

Vom Kampf der Wagen und Gesänge

Wer Freunde, Freizeit und Freude am Leben hat, verbringt den Samstagabend in Gesellschaft und einem Schank- oder Tanzlokal. Wer dagegen für das Forschungsseminar „Quantitative Finance“ ein Referat über ein herrlich spannendes Finanzanlagegewichtungsverfahren vorzubereiten hat, ist ich und ich verbringe den heutigen Samstagabend in meiner schlichten Wohnung und bemühe mich, die fürs Studium der mitreißenden wissenschaftlichen Fachliteratur nötige Motivation zu sammeln.

Ich schalte also den Fernseher ein und versuche, eine meinen Ansprüchen genügende Sendung zu finden. Auf SAT.1 läuft „Mord im Weißen Haus“. Ich gähne. Die Leichen müssen sich dort schon bis unter die Decke stapeln. Beim Wechsel auf ORF 1 aber bin ich plötzlich wie elektrisiert. Vor meinen Augen läuft der Eurovision Song Contest 2007. Jener „Gesangs“wettbewerb, der es fertig bringt, Menschen aus 42 Nationen friedlich vor dem Fernseher zu vereinen, und sei es auch nur in einer Atmosphäre wechselseitiger Scham und Betretenheit gegenüber den Abgründen der nationalen Musikszenerien. Mit einem Mal ergibt alles Sinn, vor allem die Vorausscheidung zum Song Contest, die ich vorgestern bei bzw. anstelle der Vorbereitung meines Referates gesehen habe. Eine bittere Zeit, vor allem für die Schweiz, deren DJ Bobo ausscheiden musste. Insofern sollte dem Kontinent das Schlimmste erspart bleiben. Aber, wie das Leben so spielt …

Vom bosnischen Beitrag bleibt mir nichts in Erinnerung, außer dass mich das Lied gelangweilt hat und dass Rijeka auf Bosnisch „Fluss“ bedeutet, womit mir der Name der gleichnamigen Großstadt plötzlich in einem anderen Licht erscheint. Darauf folgt eine spanische „Boygroup“ mit einem idiotischen Namen und einem Lied, dem ich entnehmen kann, dass Liebe offensichtlich schön ist. Die Beiträge von Weißrussland, Irland, Finnland und Mazedonien versäume ich, weil ich die Küche nach genießbaren Nahrungsmitteln durchsuchen muss. Als ich zurückkomme singt gerade die Ungarin. Sie hat kurze Haar und ein T-Shirt auf dem laut dem Sprecher die Mutter Gottes abgebildet ist. Ihr Lied heißt „Unsubstantial Blues“ und die Bühne ist blau. Stimmig. Die nächsten Teilnehmer sind die Litauer, die sich „4Fun“ nennen und „Love or leave“ intonieren. Bedauerlich, wie langsam sich manche Errungenschaften der westlichen Welt hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang durchsetzen, vor allem eine zeitgemäße Namensgebung. Danach tanzt ein Grieche zu irgendeinem Lied über Maria, soweit ich es verstehe. Mit ihm tanzen vier Griechinnen an blauen Bändern. Showtime! Irgendwie klingt das Lied aber genauso wie das vorhergehende. Oder nicht. Irgendwie klingen ohnehin alle Lieder gleich. Offensichtlich wurden keine neuen Melodien mehr erfunden, seit Modern Talking 1986 „Brother Louie“ herausbrachten.

Die nächste hoffnungsfrohe Teilnehmerin ist eine kleine Georgierin im roten Kleidchen. Wo liegt dieses Georgien überhaupt? Jedenfalls hat ihr der Präsident noch persönlich alles Gute gewunschen. Schweden schickt eine Tokio Hotel Tribute Band ins Rennen. „The Ark“ stützen ihre Kandidatur vor allem auf hypnotische Scheiben, die über die Bildschirme auf der Bühne flimmern. Die Franzosen wirken, als ob ihr Beitrag eine Parodie seiner selbst wäre. Vielleicht ist er das auch – in diesem Fall haben sie keine Chance. Lettland covert die drei Tenöre, Russland versucht wieder einmal, mit seinem großen Angebot an leicht bekleideten Mädchen, denen der Beigeschmack käuflicher Liebe anhaftet, zu punkten. Für Deutschland wirft sich Roger Cicero ins Rennen. Das macht mich traurig. Ich möchte Cicero heißen. Dann kommt Serbien an die Reihe. Was finden die Leute nur an Balladen? Die sind doch viel zu langsam und außerdem fehlt der Beat. Den liefert die Ukraine. Ihr Lied heißt „Russia Goodbye“, was die Russen verärgert hat, bis die ukrainische Band ein Statement veröffentlichte, wonach der wahre Titel „Luscha Gawui“ oder so ähnlich sei und „umgefallene Milchkanne“ bedeute. Ich mag die Ukraine. Unter anderem, weil ihre Vertreter etwas für die Umwelt tun und ihre Kostüme aus wiederaufbereiteter Alufolie schneidern.

Die Briten, die nun folgen, führen dagegen eine überaus aufwändige Show vor. Mit Stewardessen, Koffern und dergleichen mehr. Zumindest sehen die ersten fünf Sekunden danach aus. Dann gehe ich in die Küche und schiebe mir zwei Käsebrote ins Backrohr. Als ich zurückkomme beendet gerade Rumänien seinen Beitrag. Die Gruppe besteht aus lauter Rumänen und einem Typen aus Französisch Guyana. Das macht mich traurig. Ich möchte aus Französisch Guyana kommen. Und Rumänien beim Song Contest vertreten. Vielleicht mach ich das nächstes Jahr, falls es mit der Festanstellung nicht klappt. Das bulgarische Duo trommelt herum und singt etwas vom Wasser, das fließt und da sitzt ein Mädchen und ein Reiter kommt vorbei. Der Türke sieht in seinem roten Sakko aus wie ein Zirkusäffchen. Vorletzter Teilnehmer ist Armenien. Sein Vertreter singt, wie überraschend, eine Ballade. Dafür wurde er aber schon zweimal zum besten Sänger Armeniens gewählt. Armenien ist klein. Den Abschluss bildet Moldawien. Wie können sich die überhaupt die Teilnahme leisten? Die sind doch arm. Irgendwie fühle ich mich plötzlich ein wenig ausgelaugt, emotional wie kreativ. Ich hole meine Brote aus dem Rohr und bereite sie zu – mit Senf, Salat und Paprikapulver. Douze points!

Der interessantere Teil des Abends fängt gerade an. Die Wertung. Die finnischen Moderatoren versuchen, sich beim Countdown gegenseitig in den Hintergrund zu drängen. Ich hasse sie beide, obwohl ich sie gar nicht kenne. Aber ich liebe den griechischen Fan, der mit dem Gesichtsausdruck einer Straßenlaterne die Flagge seines Heimatlandes in die Kamera hält. Zweihundert Euro kostet eine Eintrittskarte. Wer würde hierfür keine Niere opfern?
Die Punktvergabe beginnt. Sie läuft stets nach dem gleichen Schema ab. Die finnischen Moderatoren grinsen dümmlich und der Vertreter der jeweiligen nationalen Rundfunkanstalt redet an ihnen vorbei oder biedert sich vermittels eines Mundvolls geradebrechten Finnischens an. Dann folgen die Punkte. Irgendwie füllt mich das Zusehen alleine nicht aus. Ich beschließe, zu notieren, wer wem die 12 Punkte zuschachert. Immerhin sagt einem das sehr viel über die einzelnen Länder, vor allem wer in Bezug auf wen in der Vergangenheit eine zu lasche Einwanderungspolitik gefahren hat. Dennoch ist die ewiggleiche Prozedur ziemlich ermüdend. Ich fahre meinen Computer hoch und beginne nebenher, nach dem ukranischen Lied von der traurigen Milchkanne zu suchen. Ohne Erfolg.

Von der Punktvergabe selbst bleibt mir nur wenig in Erinnerung. 42 Länder, 42 Lieder, 42 liederliche Landesvertreter. Eine schlechte Allitteration. Weißrussland stellt eine 17-jährige Praktikantin vor die Kamera. Sie ignoriert ihre Kollegen in Helsinki komplett, weil sie ihre englischen Sätze nur auswendig beherrscht. Nach der Übertragung muss sie wieder zu ihrem anderen Arbeitsplatz als Fußschemel für Lukaschenko. Lettland hat Beppo, den Clown engagiert. Er trägt Hosenträger und meint, etwas besonderes läge in der Luft. Ein Souvenir sowjetischer Industriepolitik, Beppo! Die Anblick der isländischen Punktvergeberin ist mit Sicherheit das ästhetische Highlight des Abends. In politischer Hinsicht ist dies das Eingeständnis des israelischen Korrespondenten, dass sein Heimatland nukleare Waffen besitzt – oder wie ist der Satz „Israel has pushed the button!“ sonst zu verstehen? Eine große Überraschung ist Moldawien. Das Land mag arm sein, aber nicht so arm, dass es sich keine Glitzerkrawatte für seinen Sprecher und eine Aufnahme der nächtlichen Skyline einer amerikanischen Großstadt als Hintergrund leisten kann. Eine weniger große Überraschung ist, wer wem wieviele Punkte gibt. Deutschland schickt dem Äffchen 12 zwölf Punkte. Eine flächendeckende Dönerversorgung fordert ihren Tribut. Spanien entsendet ein Dutzend Zähler nach Rumänien, Hauptquelle seiner illegalen Einwanderer. Serbien erhält zwölf Punkt von Montenegro, ein positiver Nebeneffekt der letztjährigen Trennung der beiden Staaten, und die Esten unterstützen das russiche Rotlichtmilieu, trotz oder gerade wegen der Querelen rund um das kürzlich entfernte Rotarmistendenkmal. Ein erfreuliches Zeichen setzt indes die Türkei. Ihre zwölf Punkte gehen an den zweimalig besten Sänger Armeniens; eine späte Reparation für den Völkermord, den sie an seinen Ahnen nicht verübt haben.

Letzten Endes steht der Sieger fest. Serbien. Genau genommen stand der Sieger angeblich schon vorher fest. Serbien. Jedenfalls ist der Sieger Serbien und das Siegerlied sterbenslangweilig. Es wird noch einmal vorgetragen, aber ich entschließe mich, stattdessen „Brother Louie“ von Modern Talking zu hören. Es macht jetzt auch keinen Unterschied mehr. Der ORF entschließt sich, das Niveau konstant zu halten und schickt dem Grand Prix ein Grönemeyer-Konzert hinterher. Meine Augen schließen sich.

Saturday, April 28, 2007

Unter der Dusche

Es gab ein Kind im Berner Land,
Dem war ein Hirnteil ausgebrannt,
Der seinen Hunger regelte,
Sodass es stets sich ekelte,
Wenn es in Wirtshaus, Heim und Bar,
Der Nahrungsmittel wurd gewahr.
Es wurde immer dünner, bis,
Der Wind es in zwei Stück riss,
Der eine flog von Bern nach Thun,
Der and're stak in seinen Schuh'n,
Und wer dies sah, hat sich gedacht,
Was hat das Update uns gebracht?

Wednesday, January 31, 2007

München. Opfer der Winde. [Teil 1]

Was sich liebt, das neckt sich. Du liebst Gott, den Herrn, und Gott, der Herr, liebt dich, aber du drehst zuhause das Kruzifix auf den Kopf und badest Hostien in Schwineblut und Gott, der Herr, schickt dir einen Orkan. Während aber du in deiner Katakombe hockst und hoffst, dass dir der Wind nicht die Schindeln vom Dachstuhl weht, trifft die wahre Katastrophe Unschuldige Dritte. Dritte wie mich, denn ich bin ein Kind des Glücks, wurde vor über 22 Jahren an einem Sonntag geboren, mit einem Silberlöffel im Mund, einem Hufeisen in der Hand und einem vierblättrigen Kleeblatt zwischen den Arschbacken. Ich wuchs heran, lebte, liebte und litt und fuhr am 18. Jänner 2007 zu einem Vorstellungsgespräch nach München, ungeachtet der Warnungen vor der Rache des Luftdrucks im SAT.1 Frühstücksfernsehen, meiner Lieblingssendung zum Thema Frühstück.

München, Stadt der blutigen Herzen, 17:30 - selbstzufrieden und mit einem adretten Anzug nebst verknoteter Krawatte angetan erreiche ich den Hauptbahnhof. Es herrscht apokalyptische Stimmung, denn die Züge nach Rosenheim sind schon ausgefallen. Auf dem Weg zum Service Point der Deutschen Bahn begegnen mir allenthalben erbärmliche Gestalten ohne Hoffnung und Anschluss. In ihren Augen tanzt die Zukunftsangst Kasatschok, doch ich stosse sie beiseite, warte fünf Minuten beim Service Point und angle mir das nächstbesten Auskunftsorgan. Wie sieht es mit dem EuroCity nach Zürich um 18:34 aus? Keine Störungen gemeldet, entgegnet mir das Organ. Ausgezeichnet!

Ich verbringe die Folgestunde mit dem Inanspruchnehmen der reichhaltigen und erstaunlich günstigen Verpflegungspalette des Münchner Hauptbahnhofs, kaufe im nahegelegenen Kaufhaus Hertie eine Flasche Mineralwassers und werde von der Kassierin schief beäugt. Pünktlich um 18:34 rollt mein EuroCity mit mir an Bord aus dem stählernen Bahnhofspansen. Nächster fahrplanmässiger Halt ist Buchloe, eine einsame Bastion in der gesetzlosen Bayrischen Prärie, die wir in einer Dreiviertelstunde erreichen sollten. Genug Zeit, mich zurückzulehnen und noch einmal "Franz von Papen liest die Vita Sancti Severini" auf meinem MP3-Spieler anzuhören. Eine Durchsage über die Lautsprecher des Zugs lässt mich hochschrecken. Sehr geehrte Fahrgäste, aufgrund des Sturm fährt dieser EuroCity nur bis Puchheim. Was soll das? Ich bedrohe einen Zugbegleiter mit meinem Teppichmesser, aber mehr Informationen als dass es fürs erste nicht weitergeht hat er auch nicht. Der Zug fährt in den nächsten Bahnhof ein. Ich überlege, ob ich von Puchheim nach St. Gallen laufen kann, aber wie sich herausstellt handelt es sich um einen Vorort von München. Verfolgt mich diese Stadt etwa? Die Informationslage bessert sich nicht, da alle Züge deutschlandweit angehalten wurden und jetzt am Münchner Hauptbahnhof Rückfrage halten wollen. Der Zugbegleiter vermutet, wir würden die Nacht im EuroCity verbringen müssen - eine wenig ansprechende Aussicht. Ich schwinge mich in die S-Bahn auf Gleis 2 und fahre zurück zum Hauptbahnhof. Mein durchtriebener Plan: in einem Münchner Hotelzimmer die Nacht der jähen Toten lebend und vor allem bequem überstehen. Leider bin ich nicht der einzige mit kreativem Potenzial - die Hotels der Münchner Innenstadt sind angefüllt wie mein lieber Freund Franz zu Silvester. Ich stehe eine halbe Stunde in der Schlange vor dem Service Point, nur um zu erfahren, dass sich die Definition "Innenstadt" auf die ganze Stadt bezieht. Das Organ meint, es habe eine Adresse von einem Geheimgasthof in Weissenweitdraussenkirchen, aber der sei zu Fuss vier Stunden entfernt. Es könne jedoch anrufen und vorreservieren. Das Organ ruft an, aber die Innenstadt hat das flache Land bereits erreicht.

Vom Schicksal kaltgeschleudert, möchte ich mich einen Moment setzen und die Lage überschlagen. Der Plan scheitert im Anfangsstadium, denn auf dem Münchner Hauptbahnhof gibt es keine Sitzgelegenheiten. Bänke fehlen komplett, andere horizontale Flächen sind vorsorglich mit einem "Kein Sitzplatz!" gekennzeichnet. Nach einigem Warten wird ein Platz an einem Geländer frei, gegen das ich mich erleichtert lehne. Wen kenne ich in München? Wem könnte ich mit meiner Gastgeberfreundschaft die Nacht versüssen? Ich muss feststellen, dass ich niemanden in München kenne.Das soll eine Grossstadt sein? Ich weite mein Suchraster auf ganz Bayern aus. Bea und Stefan in Würzburg fallen mir ein - wie weit ist Würzburg entfernt? Kann man es zu Fuss erreichen? Ich möchte das Organ fragen, aber die Schlange vor dem Service Point reicht bereits bis zum Eingang des Bahnhofs zurück. Draussen beginnt der Orkan, sich auszutoben.
Fortsetzung folgt?

Saturday, December 23, 2006

Nur das Beste!

"Die Wahrheit, die du brauchst!" wünscht dir und ihrem anderen Leser fröhliche Weihnachten und ein großartiges Jahr 2007, in dem du nicht stirbst!



Thursday, November 30, 2006

Geistbereicherndes (zur Weihnachtszeit)

Wenn Engel und Kugeln an Tannen baumeln,
Und wir von Punsch- zu Punschstandl taumeln.

Wenn die Tage bei Keksen und Kerzenschein enden,
Und wir für Geschenke das Auto verpfänden.

Wenn die Strassen erklingen von kindlichem Lachen,
Und Strickhändler beste Geschäfte machen.

Wenn das Gute im Menschen die Habsucht verscheucht,
Das einsame Herz uns die Leber verseucht.
Und man im Advent,
Sein Spiegelbild
Nicht mehr erkennt.

Dann nachtet's wieder weih.
[Oft schon ab Mai!]

Wednesday, November 22, 2006

Vom Heben von Zitatenschätzen

Wenn ein guter Freund stirbt, stirbt auch ein Teil von uns. Wenn wir dagegen selbst sterben, krepieren alle unsere Teile, einschliesslich des Ganzen, das bekanntlich mehr als deren Summe ist. Seit jeher machen wir Menschen uns daher Gedanken, wie um alles in der Welt wir uns selbst zumindest um ein paar Jahre überleben und sicherstellen können, dass man sich auch dann noch unser erinnert, wenn die lieben Erben dereinst ihre Anteile an unserem Vermögen verprasst haben. Die meisten Strategien, die sich mit der Schaffung der eigenen Unvergesslichkeit beschäftigen, beinhalten das Wort "viel". Man kann viele Kinder zeugen, viele Häuser bauen oder viele Mitmenschen massakrieren (wenn nicht gerade Krieg herrscht, in welchem Fall es leider nicht weiter auffallen dürfte). Man kann jedoch auch ganz einfach viel reden und es - falls Zeit bleibt - aufschreiben. Die Chancen stehen gut, dass man in den Genuss der Ehre kommt, zitiert zu werden. Ja, in Zitaten werden wir alle einst fortleben, vor allem ich.

Prinzipiell gibt es zwei Gruppen von Zitaten. Die erste stellen die wissenschaftlichen Zitate, die vor allem von Studenten mit einer Leidenschaft verabscheut werden, welche an religiöse Überzeugung grenzt. Mehrere Gründe zeichnen hierfür verantwortlich, vor allem aber die sogenannte Zitierweise. Denn nimmer genügt es, Worte aus fremder Feder einfach in Anführungszeichen gesetzt und mit den Initialen des Autors versehen zu übernehmen, nein, eine ganze Heerschar von Regeln ist zu berücksichtigen, will man sich nicht den Zorn des für die Korrektur der Seminararbeit zuständigen Dozenten zuziehen, Herr Dr. Hoffmann, oder? Der vollständige Name des Autors, der Taufname des betreffenden Buches, dessen Erscheinungsjahr, Gewicht und Nebeneinkünfte. Seitenzahlen und -abstände und Punkte in eckigen Klammern. Ein korrektes Zitat gleicht einer Krankenakte.

Darüberhinaus muss der Student sämtliche Gedanken, die angeblich nicht seine eigenen sind in Form von Zitaten ausdrücken - eine Unverschämtheit, denn was kann ich dafür, dass jemand namens Fisher einige Jahrzehnte vor meiner Zeit zufällig auch schon darauf gekommen ist, dass bei vollständig funktionierenden Kapitalmärkten Investitionsentscheide unabhängig von den subjektiven Konsumwünschen getroffen werden und ich nur deshalb in meiner Arbeit nicht mehr von der "Gattringer-Separation" sprechen darf ohne ein Disziplinarverfahren zu riskieren. Es ist nicht meine Schuld, dass dieser Fisher mit seinen mathematischenTaschenspielertricks zu den gleichen Ergebnissen gekommen ist, wie ich mit meinem brillianten Hirn und einem Buch über Finanzmathematik. Besonders ärgerlich ist dieses Verbot in "weichen" Fächern wie Philosophie, bei denen es ohnehin nur darum geht, dem Dozenten zu beweisen, dass man zu genial für seine armselige Themenstellung ist.

Die zweite grosse Gruppe von Zitaten tummelt sich auf den letzten Seiten heimischer Printmedien. Es handelt sich um besonders kluge, aber wissenschaftlich irrelevante Aussprüche von Leuten, die wir heute gemeinhin für besonders klug, aber irrelevant halten. Besonders hoch ist ihre Dichte in den Wochenendbeilagen, denn am Wochenende bedürfen wir nach dem Credo der Printmedienschaffenden speziell vieler weiser Worte von Claudius Gothicus ("Hebe nie beide Füsse gegen deinen Feind oder du fällst um.") bis Puff Daddy ("Yo!"). In seltenen Fällen ziehen die Redakteure, die aufs interne Abstellgleis des "Verantwortlichen für die Bunte Seite" gerollt wurden, die unterste Schublade des Zitatenschatzes und lassen Konfuzius aus seiner Gruft, denn alles, was ein Chinese gesagt hat, muss nun wirklich etwas besonders kluges sein. Überhaupt sind uns diese Chinesen über, jedenfalls die, die sich in meiner Fantasie herumtreiben. Auf den bitteren Boden der Realität holte mich erst eine Gruppenarbeit zurück, bei der der mir zugeteilte Gelbling kläglich versagte. Dabei trug er sogar ein Brille, kruzifix! Konfuzius sagt dazu: "Es ist kein Zeichen von Schwäche, von einer Strassenbahn überrollt zu werden."

Wichtiger als ihr Inhalt, ist aber die Gesamtzahl der abgedruckten Zitate. Sie gibt Auskunft über die wirtschaftliche Situation des jeweiligen Blattes, denn Zitate sind nichts anderes als Füllstoff für nicht verkaufte Anzeigenvolumen. Je geistreicher die Aussprüche, desto maroder die Zeitung (sog. "Gattringer-Separation"). Insofern dürften die Gemeindenachrichten von Walding im oberösterreichischen Mühlviertel der Welt defizitärstes Blatt sein, denn sie bestehen praktisch nur aus Zitaten. Selbst die Artikel bestehen aus Zitaten, denn, wenn unserem Bürgermeister schon die Worte fehlen, findet sie vielleicht Pablo Neruda.

Anstelle eines vernünftigen Abschlusses:

"Der Fluch des regen Geistes ist es, sich in Trivialitäten zu ergehen und durch das Verfassen unspektakulärer Blogeinträge eigene wie fremde Zeit nutzlos zu vergeuden."

(P. I. Tschaikowski)

Thursday, November 09, 2006

Nach Art des Mundes

es is zach
es zaht si
i soit ozahn
mi zahts ned
wiads mi zahn?
s wiad si zagn

Aus: Walter Gatterer nervt sein Studium, Opus X - Grosses Lamento.